Muskauer Steinzeug-Schätze im Kunstgewerbemuseum Berlin
Von Helga Heinze (Text)
und Holger Klein (Fotos)

Bereits seit 1963 wird das am Rande der Altstadt des Berliner Stadtteils Köpenick gelegene Schloss Köpenick als Kunstgewerbemuseum genutzt. Als Dependance des Kunstgewerbemuseums gehört die barocke Anlage heute mit den Staatlichen Museen zu Berlin zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Unter dem historischen Dachstuhl des Hauses ist die Studiensammlung von Steinzeug, Fayencen, Glas, Porzellan und Metallgeräten untergebracht. Hier sowie im nicht öffentlichen Bereich des Magazins und im Haupthaus am Kulturforum Potsdamer Platz im Zentrum Berlins stehen Steinzeuggefäße des 17. und 18. Jahrhunderts, darunter vier Gefäße aus Muskau. Beeindruckend ist jedoch die Zahl von 33 Gefäßen aus den 15 km entfernten Orten Triebel, Jocksdorf und Teuplitz, vor 1945 zur Mark Brandenburg, heute zur Republik Polen, Kreis Zary gehörig.

Schon Josef Horschik hatte im Vorfeld der Recherchen zu seinem Buch „Steinzeug“ die Berliner Bestände gesichtet und teils neu geordnet. Heute bestätigen die durch polnische Archäologen im Zuge des Autobahnbaues in unmittelbarer Nähe von Jaglowice und Tuplice gemachten Scherbenfunde aus Töpfereiabfällen die Provenienz der oft unter Muskau erfaßten Keramiken.* Kugelbauch-, Birnen- und Walzenkrüge, eine Tüllenkanne, ein Dreihenkelkrug sowie Schraubkruken mit zum Teil datierten Zinnmontierungen dokumentieren die große Vielfalt der Produkte aus dieser Region im Bestand des Museums. Darunter befinden sich graue, braune, auch leuchtend kobalt- oder manganviolett bemalte Schankgefäße mit kunstvollen Auflagen, Kerbschnitt- und Stempeldekoren. Ein besonders prunkvolles Stück ist eine große ovale Deckeldose mit vergoldeter Metallmontierung auf vier Füßchen. Sie wurde als rheinisches Steinzeug übernommen, dann als Waldenburger und später als Muskauer Produkt eingeordnet.

Außer vier Neuerwerbungen zählen alle Gefäße zum Altbestand des Museums. Vier repräsentative Krüge der Gruppe Triebel/Jocksdorf/Teuplitz kamen 1873 aus einer bedeutenden Privatsammlung hierher. Sie gehörten zu den vom Preußischen Geheimen Regierungsrat Alexander Freiherr von Minutoli aus Liegnitz in Schlesien zusammen getragenen Kunstgegenständen. Seine Sammlung trug maßgeblich zur Entwicklung des Kunstgewerbemuseums in Berlin bei, das 1867 gegründet wurde.
Ein herzlicher Dank für einen unkomplizierten Informationsaustausch sowie die Genehmigung zum Fotografieren und Veröffentlichen der Steinzeuggefäße geht an das Kunstgewerbemuseum Berlin.

(28.11.2011)
Eine Anmerkung
* Andrzej Kowalczyk und Slawomir Kalagate: Steinzeug aus Triebel/Trzebiel (PL). Vortrag, gehalten auf dem 42. Internationalen Symposium für Keramikforschung, Görlitz 2009.
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