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Vorsicht! FÄLSCHUNG!

Muskauer Steinzeug im Internet und auf Auktionen


Seit einiger Zeit beobachten Sammler von Muskauer Steinzeug, daß Fälschungen dieser Keramiken nicht nur im Internet angeboten werden, sondern sogar auf Auktionen von seriösen Händlern. Zwei Beispiele mögen das belegen. Im ersten Fall wurde ein Walzenkrug aus einem Auktionskatalog erworben. Er wurde im Oktober 2011 von einem ausgewiesenen Kenner des Muskauer Steinzeugs ersteigert und unter Mitsendung des folgenden Gutachtens reklamiert.

Beispiel 1

Aus der Beschreibung des Auktionators:
Walzenkrug, 17./18.Jhdt. Zylindrischer Korpus mit doppeltem Zierring an Lippenrand und Standfuß. Hoch angesetzter Ohrenhenkel. Wandung mit geritztem, partiell blau ausglasiertem Schachbrettmuster. Auf der Schauseite Rocaillereserve mit stehendem Stier. Godronierter Zinnhaubendeckel mit eingelassener Plakette und Kugeldrücker. Boden mit Drehspuren. H.25cm. (Abb. 1.)


fe1 muskauer steinzeug walzenkrug


Ergänzende Typisierung des Käufers
Typus: Walzenkrug, Steinzeug, oxidierter Sinterbrand, Salzglasur im Holzbrennofen, mit Ritzdekor und partieller Bemalung mit Braunsteinengobe.
Herstellungsort: Muskau (des weiteren Triebel, Jocksdorf, Teuplitz und umliegende Dörfer möglich. Unsere Forschungen sind noch nicht abgeschlossen).
Zeitraum: ca. 1670 bis 1750.

Dazu heißt es im o. g. Gutachten:

Das versteigerte Stück ist eine Fälschung, die man wie folgt erkennen kann: Der Krug weist keine Merkmale auf, wie sie vom Einstapeln der Gefäße in den Holzbrennofen vorhanden sein müssen. Untere Stücke, die auf dem Boden der Brennkammer standen, haben einen unglasierten Boden. (Abb. 2.) An mittleren Stücken zeichnet sich das darunter stehende Gefäß ab. Seltene Abschlußgefäße, welche kopfstehend die Krone der Brennpyramide darstellten, haben zwar einen glasierten Boden, sind aber innen völlig unglasiert und weisen starke Spuren vom Anbacken an der Lippe auf. (Abb. 3.) Der versteigerte Krug ist am Boden und innen braun (Salzglasur im oxidierenden Brand vortäuschend), was eigentlich nicht möglich war.


fe2 muskauer steinzeug boden      fe3 muskauer steinzeug inneres


Bei Muskauer Gefäßen kleiner und mittlerer Größe (Kugelbauchkrügen, Birnkrügen und Walzenkrügen) waren die unteren Henkelansätze meist verstrichen, die zusätzliche Daumendruckmulde finden wir bei großen Kannen und Töpfen, da für das größere Gewicht eine besondere Festigkeit erforderlich war. Deswegen wurde besonders gut angedrückt. Es kommen aber auch vereinzelt kleine Gefäße mit Daumendruck vor. (Abb. 4.) Die Krüge sind klingend hart gebrannt (gesintert) und die Glasur läßt sich nicht abkratzen wie Farbe. (Abb. 5.)


fe4 muskauer steinzeug henkel      fe5 muskauer steinzeug ritzdekor


Bei genauem Hinsehen kann man bei dem versteigerten Krug die Farbaufträge erkennen. [S. auch Bsp. 2.] Offensichtlich wird die vorsätzliche Täuschungsabsicht durch das Verwenden eines alten Zinndeckels, genau aus der Zeit um 1700. Zum Vergleich sind Fotos von einem Originalstück beigefügt. Weitere Vergleichsstücke mit Beschreibungen sind auf der Webseite http://antiquitaeten-lausitz.de/ unter „Sammlungen“ abgebildet.

(je 2011)


Beispiel 2

Eine wesentlich primitivere Variante einer Fälschung lieferte das zweite Objekt, gefunden auf der Internetplattform ebay. Auch hier wurde mit Hilfe einer alten Zinnmontur und (sicherlich gewollt) unscharfen Fotos zunächst der Eindruck eines Originals erweckt. (Abb. 1.)


fh1 muskauer steinzeug schraubflsche


Muskauer Steinzeug aus dem Internet
Ein Erlebnisbericht

Eines Tages bietet ein Herr aus München in der Rubrik „Antiquitäten“ einen alten „Steinkrug“ an. Undeutliche Fotos lassen erahnen, daß es sich um eine Schraubflasche aus Muskauer Steinzeug des 18. Jahrhunderts handelt. Für einen Sammler ein Objekt der Begierde – für einen Muskauer Sammler ein Traum, den er sich mit 259,90 Euro erfüllt.
Im freudig erwarteten Paket lauert die Ernüchterung: ein dilettantischer Versuch einer Nachahmung aus einer Kunstmasse. Das Gefäß ist außen wie innen mit einer krakelierten Lackfarbe überzogen (Abb. 2), und sogar der Boden ist liederlich mit einem Schwamm oder Pinsel beschmiert. Ein kleiner Kratzer mit dem Messer legt die helle Kunstmasse frei. (Abb. 3.)


fh2 muskauer steinzeug faelschung lack      fh3 muskauer steinzeug faelschung boden


Eigentlich sollte das „edle Stück“ sofort in die Mülltonne wandern, jedoch als Beweis einer versuchten Fälschung und als Warnung für andere Sammler soll es hier stehen. Ein Vergleich der groben Bemalung mit einem gleichartigen echten Dekor offenbart die frappierende Dreistigkeit des Schwindels. (Abb. 4 und 5.)


fh4 muskauer steinzeug dekor faelschung      fh5 muskauer steinzeug dekor original


(hh 2011)

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