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Zwischen Kunst und Kommerz: Gerhard Frydrych (1910–1981)

Von Helga Heinze, Krauschwitz
Webseite: Bernd-Ingo Friedrich


Das Museum Sagar ist im Besitz mehrerer Bleistiftzeichnungen von Gerhard Frydrych, einem Lausitzer Maler, dessen Spuren sich hier fast schon verloren hatten.

Valentin Gerhard Frydrych wurde am 7. Februar 1910 in Weißwasser als erstes Kind des Glasmachers Vincenz Frydrych und dessen Ehefrau Helene geboren. Die besondere Schreibweise seines Namens weist zum einen nach den Niederlanden, zum anderen aber auch nach Böhmen, denn dort wirkten seit Jahrhunderten tüchtige Glasmacherfamilien mit dem Namen Frydrych.


glasmanufaktur lustig und co weisswasser becher gravur


Nach dem Schulabschluss erlernte Gerhard Frydrych von 1924 bis 1927 den Beruf des Glasmalers in der Schlesischen Glasmanufaktur Lustig & Co. in Weißwasser. Im Anschluss arbeitete er bis 1931 als Glasmaler bzw. als Entwurfszeichner in der Glasraffinerie August Mostetzky, wo er 1929 seine Meisterprüfung ablegte.

Zwischen 1931 und 1935 reiste er als Berufsmusiker durchs Land, ohne jedoch die Malerei aufzugeben. Im April 1935 kehrte er in die alte Heimat und in seinen erlernten Beruf zurück. Als Glasmalermeister und Atelierleiter traf er in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken auch mit Professor Wilhelm Wagenfeld zusammen und porträtierte ihn. Weiterhin entstand in diesem Betrieb eine Reihe Zeichnungen arbeitender Menschen.

Nach dem 2. Weltkrieg, den er unbeschadet im Innendienst überstand, gründete er als freischaffender Künstler die „Graphische Werkstätte“ Weißwasser und erwarb mit Hilfe des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) ein Atelier. Hier entstanden Akt- und Porträtzeichnungen und -gemälde. Darüber hinaus bildete er Interessierte im Fernunterricht „Malen und Zeichnen lernen“ aus.


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1953 folgte er dem Aufruf der DDR-Regierung „Künstler in die Betriebe“, gab sein Atelier auf und arbeitete bis 1958 freischaffend als Maler und Pressezeichner in den Industriebetrieben des Ministeriums für Kohle und Energie. Auch die hier abgebildete Zeichnung eines Einformers im Steinzeugwerk Krauschwitz ist in dieser Zeit entstanden.

Im Juni 1958 nahm Frydrych wieder eine feste Anstellung an und arbeitete bis Juli 1961 als Gestalter bei der DEWAG Halle in Dessau, um danach wieder freischaffend in den Industriebetrieben der gesamten Republik zu arbeiten.

Ab 1963 lebte er vorwiegend in seiner Geburtsstadt, zeichnete Landschaften oder porträtierte Kurgäste in Bad Muskau.

Sechs Jahre später verließ er Weißwasser für immer und übernahm in der Abteilung Stadtbeleuchtung beim Rat der Stadt Erfurt die Entwurfsarbeiten zur künstlerischen Ausleuchtung von Sakral- und Profanbauten, Häuserzeilen und Plätzen.

Ab 1971 bis zu seinem Tode am 15. Oktober 1981 arbeitete er freischaffend in Weimar, suchte immer wieder Motive in Industriebetrieben, wie zum Beispiel in der Glockengießerei Apolda oder im Schwermaschinenbaukombinat „Ernst Thälmann“ in Weimar.

In Kultureinrichtungen, Betrieben und auf Ausstellungen waren seine Arbeiten stets vertreten.

Gerhard Frydrychs Anliegen war, in seinen Bildern typische Produktionsabläufe unter typischen Umständen möglichst charakteristisch darzustellen, ohne sie kompositorisch zu verwässern.

(28.07.2011)

Museum Sagar

Öffnungszeiten Ostersonntag bis 3. Oktober
Dienstag–Freitag  9–15 Uhr
Sa, So, Feiertag 15–18 Uhr
Führungen auf Anfrage, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter Telefon 035771 / 60896
emails bitte an info@museum-sagar.de; weitere Informationen auf www.museum-sagar.de.


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