Museum Sagar - Miszelle 3
Keramisches Notgeld aus Krauschwitz
Text und Bild von Helga Heinze
Webseite: Bernd-Ingo Friedrich
unter Verwendung von Informationen des Sammlers Patrick Andreas Schröder aus Schwabmünchen
Unter den vielen Exponaten, die den Besuchern unseres Museums die Firmengeschichte der Deutschen Ton- und Steinzeugwerke näher bringen möchten, befinden sich neben den riesig großen 1000-Liter-Gefäßen auch kleine Geldstücke aus Steinzeug. Infolge der zunehmenden Verknappung und schließlich des gänzlichen Mangels an Münzmetall kamen verschiedenste Ersatzmaterialien zum Einsatz.
Die Produktion unserer Münzen wird 1922 in der Tonindustrie-Zeitung wie folgt beschrieben: „Die Deutschen Ton- & Steinzeug Werke Akt.- Ges. (Berlin-Charlottenburg) hat zur Verwendung in ihren eigenen Betrieben ansprechende Ersatzmünzen aus Feinsteinzeug hergestellt, die sie satzweise (1, 2, 3 und 5 Mark) zum Nennwert auch an Sammler ausgibt. Die Gesellschaft stellt auch für andere Firmen entsprechendes Notgeld aus ihrem Feinsteinzeug in allen Farben her.“

Diese spezielle keramische Masse hatte Dr. Felix Singer, technisches Vorstandsmitglied der Aktiengesellschaft, entwickelt. Die grüngraue Farbe des Keramikscherbens, die normalerweise bei den hiesigen Steinzeugtonen nicht ohne weiteres entsteht, sollte für Fälschungssicherheit sorgen. Die Münzen tragen auf der Rückseite ein Wappenschild mit den DTS–Buchstaben und den Text: „Nur bis 31. Dezember 1921 einlösbar.“ Die Vorderseite ist mit dem Nennwert in Mark und dem Firmennamen versehen. Der Durchmesser reicht von 24 bis 32 Millimeter. Das robuste Steinzeug eignete sich hervorragend als Zahlungsmittel.
Mit der Herausgabe dieser Münzen wollte man dem rasanten Wertverfall des ausgezahlten Lohnes der eigenen Arbeiterschaft entgegen wirken. Am Umtauschtag wurde deshalb der Betrag auf den jeweiligen Inflationskurs umgerechnet. Den Arbeitern entstand somit ein geringerer Verlust als allgemein üblich.
Um die Münzen auch nach der Notgeldzeit noch für Sammler attraktiv zu machen, wurden sie in verschiedenen Varianten mit goldener Farbe aufgewertet.
Öffnungszeiten Ostersonntag bis 3. Oktober
Dienstag–Freitag 9–15 Uhr
Sa, So, Feiertag 15–18 Uhr
Führungen auf Anfrage, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter Telefon 035771 / 60896
emails bitte an info@museum-sagar.de; weitere Informationen auf www.museum-sagar.de.
(06.07.2011. Erschienen als „Fundstück der Woche“ in der SZ vom 9. März 2011.)
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