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Museum Sagar - Miszelle 2

Eine „Leuchtreklame“ kommt zurück

Text und Bild von Helga Heinze
Webseite: Bernd-Ingo Friedrich


Unser Museum nahm im Rahmen der Forschungsarbeit regionales Industriesteinzeug zu einem in Kassel lebenden ehemaligen Mitarbeiter der Steinzeugfabrik Arnim-Leißner-Muskau (Leknica/PL) Kontakt auf. Der inzwischen 81-jährige Herr Schönherr gab uns interessante und geschichtlich wertvolle Informationen. Zum Ende des Gesprächs berichtete er uns, dass er noch eine alte Leuchtreklame der Fabrik besitze und er sie eigentlich dem Museum übergeben möchte.

Die Vorfreude war groß und wir staunten nicht schlecht, als nur ein gepolsterter Briefumschlag eintraf. Es war ein Leucht-Abzeichen aus fluoreszierendem Kunststoff von 3,5 mal 3 cm Größe, das im Dunklen wirklich leuchtete.


leuchtreklame steinzeugwerke muskau sf


Dazu gehörte ein Brief, in dem Herr Schönherr schildert, warum dieses Abzeichen überhaupt erhalten geblieben ist:

„Nach Anordnung der Totalverdunklung (wegen der Luftangriffe keine Straßenbeleuchtung, Fenster vollkommen verdunkelt usw.) bekam jeder Betriebsangehörige, Kunde und Freund von der Firma Leißner ein Leuchtstoff-Reklameabzeichen. Angesteckt konnte man das von weitem erkennen (wie ein Leuchtkäferchen). Bevor ich eingezogen wurde, füllte ich in einen kleinen Koffer alle für mich wichtigen Sachen: Gehilfenbrief, Sparbuch der Muskauer Sparkasse, Teil meiner Briefmarkensammlung, Fotos und auch die Leißner-Leuchtreklame. Als meine Eltern mit meiner kleinen Schwester vor den anrückenden Russen flüchteten, nahm meine Mutter mein Köfferchen mit. Sie kamen mit dem Treck bis nach Kamenz in Sachsen. Dort wurden sie von russischen Panzern auf Wiesen und Felder abgedrängt. Es muß ein furchtbares Chaos, vor allem für die Frauen, gewesen sein. Der Bürgermeister von Kamenz hatte danach das ‚Schlachtfeld’ säubern lassen. Dabei wurde mein kleiner Koffer gefunden. Später schickte man die Sachen an meine alte Adresse in Muskau, die auf meinem Gehilfenbrief stand. Auf dem Postamt in Muskau arbeitete damals mein Schulfreund Alfred Pusch, der inzwischen meine Anschrift in Kassel kannte. Auch bedankte ich mich beim Finder in Kamenz, der jedoch keinen weiteren Kontakt mit mir wünschte. So landet jetzt die Leuchtreklame nach dieser abenteuerlichen Reise wieder in der alten Heimat. Mag sie dort, im Museum Sagar, ihre Ruhe finden.“

Dazu muß noch gesagt werden, dass nach 1945 viele gelernte Steinzeugwerker nach Kassel übersiedelten, weil es dort im Zweigwerk der DTS in Bettenhausen Arbeit und die Chance für eine neue Existenz gab. Diese Leuchtreklame hat zusammen mir ihrer Geschichte einen Platz in der Vitrine unserer Keramikausstellung erhalten.

Öffnungszeiten Ostersonntag bis 3. Oktober
Dienstag–Freitag  9–15 Uhr
Sa, So, Feiertag 15–18 Uhr
Führungen auf Anfrage, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter Telefon 035771 / 60896
emails bitte an info@museum-sagar.de; weitere Informationen auf www.museum-sagar.de.

(01.07.2011. Erschienen als „Fundstück der Woche“ in der SZ vom 15. November 2010.)

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