Museum Sagar - Miszelle 1
Eine Weinkanne kommt „nach Hause“
Text und Bild von Helga Heinze
Webseite: Bernd-Ingo Friedrich
Bei einer Baumaßnahme im Dezember 2009 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Töpferei Pfitzinger in Bad Muskau eine größere Menge Werkstattabfall geborgen. Darin waren auffällig viele Scherben einer bestimmten Art von Kannen. Mit ihrer Hilfe konnten fünf in der Keramiksammlung des Museums Sagar bereits vorhandene Gefäße eindeutig der Töpferei Pfitzinger zuordnet werden.
Töpfermeister Heinrich Pfitzinger hatte die von etwa 1700 bis 1991 in der „Schmelze“ ansässige Werkstatt im Jahre 1856 übernommen. In ihr wurden die Muskauer Steinzeugkannen damals von der Größe eines Kinderspielzeugs bis zu 16 Litern Inhalt gefertigt. Sie besitzen einen zylindrischen Hals, aus dem ein Ausguss, eine so genannte „Schneppe“, geformt ist. Den Bauch ziert ein umlaufendes Rollstempeldekor. Das obere Ende des Henkels wurde meist mit einem eingestochenen Loch versehen, um später einen Zinndeckel daran befestigen zu können.
Einige dieser Gefäße gelangten vor vielen Jahren über Prag auch nach Österreich, in das Land des Weins. Folgendes ist in den Lebenserinnerungen der Kunsthandwerkerin Erna Pfitzinger zu lesen:
„Zu damaliger Zeit fertigte man die sogenannten Wiener Weinkrüge an. Damit fuhr ein Urahne Lehmann im Pferdegespann nach Wien. Dazu brauchte man einen Pass mit drei Stempeln: Preußen, Böhmen und Österreich ...“
Im Januar 2010 kam nun eine solche Kanne mit einem Fassungsvermögen von 5 Litern aus dem österreichischen Gumpoldskirchen, dem berühmtesten, 20 km südlich von Wien gelegenen Weinort des Landes zurück in die Lausitz. Nachdem sie einst im Pferdefuhrwerk von Muskau aus nach Österreich rumpelte, hat sie 150 Jahre in der Weinstadt überlebt. Hier her allerdings kam sie gut verpackt auf dem Postwege. Leider kann sie uns nicht berichten, wie viele Liter Wein sie in ihrem Leben transportiert hat, einige Blessuren zeugen jedoch von regem Gebrauch.

Johann Baptist Reiter (1813-1890). Die Wirtin vom „Schwarzen Roeßl“ (1859).
Öl auf Leinwand, 39,5 x 31 cm. © Wien Museum, Wien.
Ihren vorläufig letzten Platz hat sie nun neben einigen ihrer weniger großen Schwestern in einer Vitrine der Keramikausstellung des Handwerk- und Gewerbemuseums in Sagar in der Oberlausitz gefunden.
Öffnungszeiten Ostersonntag bis 3. Oktober
Dienstag–Freitag 9–15 Uhr
Sa, So, Feiertag 15–18 Uhr
Führungen auf Anfrage, auch außerhalb der Öffnungszeiten, unter Tel.: 035771/60896;
Emails bitte an info@museum-sagar.de; weitere Informationen auf www.museum-sagar.de.
(01.07.2011. Erschienen als „Fundstück der Woche“ in der SZ vom 16. März 2010.)
Kommentare zu diesem Artikel ansehen | Kommentar zu diesem Artikel verfassen