Asche im Fluß
Holzgebranntes Steinzeug von Gordon Gran
Von Armin Rieger, Bilder von Gordon Gran
und Bernd-Ingo Friedrich
Armin Rieger, selbst Keramiker und Betreiber einer Werkstatt mit Holzofen, hat Gordon Gran für die Neue Keramik besucht und gibt einen Einblick in seine Werkstatt und seine persönliche Geschichte.

Im späten goldenen Herbst zieht es mich wieder in den Südosten Deutschlands, in die Landschaft der Oberlausitz. Also über die A13 von Berlin, Dreieck Spreewald auf die A15 bis hinter Cottbus und jetzt die B115 bis hin zur Grenzstadt Bad Muskau. Bad Muskau? Richtig! Fürst Pückler und der Park und die nach ihm benannte, nahrhafte Eisköstlichkeit.
Wenige Kilometer südlich von Bad Muskau liegt Sagar, ein verträumter Ort an der polnischen Grenze. Hier bildet die Neiße seit gut 60 Jahren die östliche Grenze Deutschlands. Die Landschaft hier ist wald- und wasserreich und unter der Erde finden sich feuerfeste und Steinzeugtone, nicht weit weg auch Braunkohle und weiße Sande für die Glasherstellung. Im nahen Krauschwitz gab es bis vor wenigen Jahren noch ein großes Steinzeugwerk, welches Röhren und Behälter für die Industrie fertigte.
Auch eine Feuerfestindustrie blühte hier einst. Töpfereibetriebe lagen und liegen in dieser schönen Landschaft verstreut. Die Landeshauptstadt Dresden erreicht man in einer Stunde mit dem Auto. Ich besuche Gordon Gran, der hier seine Werkstatt seit 1993 betreibt.
Aufgefallen waren mir die Arbeiten von Gordon Gran schon länger, da sie so wenig mit dem Formkanon hiesiger Steinzeugtöpfer zu tun haben und die ostasiatischen Anklänge nicht zu übersehen sind. Was mich erwartet, weiß ich nicht, doch bin ich seit langem angemeldet.
Das Grundstück des Keramikers ist hügelig, riesengroß und bewaldet. Ein Teil des Grundstücks kann nicht leugnen, früher eine Tongrube gewesen zu sein. Links den Hang hinauf wartet das Balkenskelett eines künftigen Brennhauses auf seine Bestimmung; hier wird bald ein weiterer Ofen stehen.

Rechts weiter hinauf, ein großes Holzhaus mit Terrasse. Es ist ein sogenanntes Schrotholzhaus. Gordon hat es erworben, anderswo ab- und hier wieder aufgebaut., sein Wohnhaus. Noch weiter hügelan stehen ältere Gebäudeteile, die zum Brennhaus, zur Werkstatt und Tonaufbereitung umgebaut wurden.
Wir sitzen nun auf der Terrasse und ich stelle bei einem guten Tee meine Fragen Einem der auszog, das Seinige zu finden, in Japan fand und mit nach Hause brachte, um es mit dem hier Gelernten zu verschmelzen.
Früh schon zog es ihn zur Keramik. Im Städtchen Weißwasser, zu sorbisch Bela Woda, besuchte der damals Siebenjährige Kurse für Kinder beim Graphiker Reichelt, wo im Hinterhofatelier kleine Katzen und Flußpferde aus Ton entstanden und auch die Liebe Gordons zur Keramik. Bei diesem Graphiker besuchte er fünf Jahre lang die Kurse. Dann, 1985-87, folgte in Krauschwitz die Töpferlehre. Anschließend blieb er noch zwei Jahre in der Firma als Geselle, wechselte anschließend zweimal die Werkstatt, um von 1991 bis 1993 an der Staatlichen Keramikfachschule in Landshut seinen Meister zu machen. „Ich habe zur Prüfung einen Kachelofen gebaut, denn Töpfemachen hatte ich ja vorher schon gelernt“ – so sein Kommentar zu seiner Zeit in Landshut. Und damit nähern wir uns schon dem wesentlichen Punkt, den Steinzeugen von Gordon Gran und deren Entstehung.
„Ich hatte immer eine Vorstellung von dem, was ich als Keramiker wollte, dann fand ich das kleine Inselbändchen mit dem Titel Japanische Keramik. Das war für mich wie eine Offenbarung. Genau dahin wollte ich auch, das war es, was ich gesucht hatte“, kommt es bestimmt von meinem Gegenüber. Was dann kam, war folgerichtig, hatte ihn doch auch ein Bildband über Japan schon als 14-jähriger begeistert. 1992 baute er sich einen Mehrkammerofen nach japanischem Vorbild (Noborigama) und eröffnete 1993 die Werkstatt „Töpferei am Berge. Die Jahre des Töpferns und des Suchens begannen.

Dann, nach sieben Werkstattjahren, machte er in Isreal ein Praktikum bei Ruth Barkahi, Dozentin am Kunstkolleg in der Beer Sheba, und im Jahre 2002 ermöglichte ihm ein Stipendium der Carl Duisburg Gesellschaft einen einjährigen Japanaufenthalt.
Der begann sehr hart. Sechs Monate lang lernte Gordon in einer japanischen Sprachschule die Landessprache zusammen mit chinesischen und koreanischen Sprachschülern. Das forderte ihn über alles bisher Gekannte und das Pensum des neu zu Erlernenden war gigantisch.
Der harten Sprachschule folgte dann endlich in Mashiko bei Shimaoka Tatsuzo ein Praktikum, und hier war alles anders als in der heimischen Töpferei; nicht nur die Fußdrehscheibe mit der geringeren Schwungmasse, sondern auch die Bewertung gemachter Arbeit war ihm so neu.
Anschließend wurde er Praktikant bei Sofu Mizokami und Mitshihioro Mijadjma. Währenddessen zeichnete er die Brennöfen am Ort und schaute beim Ofenbau zu. Er trug sich an zu helfen, was damit endete, daß er vier Monate lang an einem kompletten 6-Kammer-Noborigama mitbaute. Dann durfte er bei Meister Kitasawa einen Ofen von 100 °C auf 900 °C vorheizen. Währenddessen ging der Töpfer schlafen. Im Ofen befand sich die Produktion eines Vierteljahres. In dieser Zeit In dieser Zeit lernte er auch bei dem Brennofenbaumeister Tamaki und half bei Holzofenbränden der Meister Kawadjiri, Kitasawa und Shimaoka.
Am Ende des Praktikums konnte Gordon einen Monat lang für sich arbeiten und Formen und Oberflächen entwickeln. Er fragte dazu seinen Meister, ob er denn seine Arbeit selbst verkaufen dürfe, was er dann auch durfte, und baute sich einen eigenen Stand aus Bambus.

Im April 2003 war Gordon zurück im heimischen Sagar an der Neiße. Als erstes entstand ein neues Ofenfundament und das Brennhaus wurde begonnen.
Doch vor allem bei seinem Steinzeug vollzog sich eine rasante Entwicklung. Die Gefäße wurden bestimmter und konkreter in ihrer Ausrichtung zu Dekor und Farbe. Eine klare, breitflächige Kerbschnittechnik strukturiert kraftvoll die Gefäße. Farbkörper werden mit mutigen Pinselschwüngen dem Kerbschnitt zugesellt und die Ascheflüsse im Salzbrand tun ihr übriges. Hier bildet sich ein eigenes Formbild, das zwei Töpferlandschaften dieser Welt in sich vereint.
Von seinem Noborigama mit drei Kammern benutzt er zur Zeit nur die dritte, die er in etwa 24 Stunden brennt. Verwendet werden Tone aus dem reichen Spektrum regionaler Steinzeugtone, so der aus Plessa/ Sallgast und der aus Haselbach, welche bei 1240 °C bzw. bei 1300 °C dicht brennen. Gordon sieht sich auch der Arbeitsphilosophie der Mingei-Bewegung verpflichtet, deren drei Grundsätze Materialgerechtigkeit, Funktionalität und preiswerte Produkte ihn prägen.
Im Jahre 2005 folgte dann die erste große Ausstellung bei „terra rossa“ in Leipzig und im April des gleichen Jahres nahm er am Töpfermarkt in Mashiko teil. Dabei kam es zu Ankäufen der Galerie Ukou in Yokohama.
Die Sonne ist nun über den Wald weitergezogen und die Ruhe, die die Landschaft hier ausstrahlt, berührt auch den Töpfer mir gegenüber. Diese Ruhe, gepaart mit den Einprägungen Japans, finden wir wieder in seinen Arbeiten.

(12.08.2009. Erschienen in Neue Keramik/ New. Ceramics 3/06. Höhr-Grenzhausen 2006.)
Gordon Gran
Töpferei am Berge
Am Berge 7
02957 Krauschwitz OT Sagar
Telefon 035771 / 640874 und 035771 / 62730
Email info@toepferei-gran.de
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